Die Digitalisierung bietet der Landwirtschaft neue Chancen, um nachhaltiger und transparenter zu werden. Doch wie können wir sicherstellen, dass diese Transformation auch die Konsument:innen erreicht und ihr Kaufverhalten tatsächlich verändert? Das Projekt „Assoziative Wertschöpfungsketten – Der richtige Preis“ geht hier einen einzigartigen Weg: Es verbindet Konsument:innen und Landwirt:innen direkt im Verkaufsprozess und schafft so nicht nur mehr Transparenz, sondern auch eine emotionale Bindung zu den Produkten.
Die Einzigartigkeit: Integration in den Verkaufsprozess
Anders als bestehende Tools, die oft nur theoretische Informationen liefern, wird das Plugin direkt in den Verkaufsprozess integriert. Das bedeutet:
- Konsument:innen treffen ihre Wahl im Moment des Kaufs: Sie können spielerisch und interaktiv die Produktionsbedingungen auswählen, die ihnen wichtig sind – sei es Tierwohl, Biodiversität, Klimaschutz oder soziale Faktoren wie die Entlöhnung der Landwirt:innen.
- Der „richtige Preis“ wird sofort sichtbar: Sie sehen, wie viel ein Produkt tatsächlich kosten müsste, um diese Bedingungen zu erfüllen, inklusive der „wahren Kosten“ für die Gesellschaft.
- Ein direkter finanzieller Impact für Landwirt:innen: Durch die Integration in den Verkaufsprozess entsteht ein Anreiz für Landwirt:innen, das Plugin zu nutzen, da es ihnen ermöglicht, ihre Leistungen fair zu vergüten.
Diese Einbindung in den Verkaufsprozess ist ein Alleinstellungsmerkmal des Projekts. Sie schafft nicht nur Transparenz, sondern auch eine emotionale Verbindung zwischen Konsument:innen und Landwirt:innen – und das genau im Moment, in dem die Kaufentscheidung fällt.
Forschung zum Kunden- und Zahlungsverhalten: Den Attitude-Behavior-Gap überwinden
Ein zentrales Problem in der Nachhaltigkeitsforschung ist die Attitude-Behavior-Gap: Viele Konsument:innen geben in Umfragen an, bereit zu sein, mehr für nachhaltige Produkte zu zahlen – doch im tatsächlichen Kaufverhalten zeigt sich oft etwas anderes. Das Projekt schafft hier eine einzigartige Forschungsmöglichkeit:
- Echtes Zahlungsverhalten messen: Durch die Integration in den Verkaufsprozess können präzise Daten darüber gesammelt werden, wie sich die Zahlungsbereitschaft der Konsument:innen verändert, nachdem sie die Auswirkungen ihrer Kaufentscheidungen interaktiv erlebt haben.
- Daten für Wissenschaft und Politik: Die gesammelten Daten bieten eine wertvolle Grundlage für die Forschung und können als Argumentationshilfe in politischen Prozessen und der Medienarbeit genutzt werden.
- Ein modularer Ansatz: Das Plugin kann auch für Bildungsszwecke und Fairness-Ratings angepasst werden, was seine Anwendungsmöglichkeiten weiter erhöht.
Projektpartner und Datenquellen
Das Projekt wird vom confoedera Förderverein geleitet und in Zusammenarbeit mit Forschungspartnern wie dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL und dem True-Cost-CH-Konsortium, Projektpartnern wie Agrimetrix (Regionalwert-Leistungsrechner), Equal Profit und Faire Märkte Schweiz sowie mit vielen Vertriebspartnern und dem IT-Partner Panter und dem Kommunikationspartner diktum.ch umgesetzt.
Daten zu Effekten wie z.B. Preissteigerungen durch Produktionsverluste aufgrund umgesetzter Biodiversitäts-Fördermassnahmen werden vom FiBL (DOK-Versuch u.a.) in das Projekt eingebracht. Die resultierenden wahren/externen Kosten werden durch das True-Cost-CH-Konsortium berechnet. Schwierig wird es in der Schweiz jedoch, Daten zu den Kosten für die Aufwände von Fördermassnahmen für Biodiversität, Bodenfruchbarkeit usw. zu finden. Das Labourscope Tool von Agroscope müsste diese beinhalten – diese fehlen dort aber vorerst. Eine Chance dieses Projektes besteht deshalb darin, diese Daten gemeinsam zusammenzutragen, z.B. vom Leistungswertrechner (Agrimetrix), von Agroscope und evtl. sogar vom KTBL in Deutschland (die dazu viele Daten haben).


Über Confoedera
Der Confoedera Förderverein engagiert sich für faire, transparente und zukunftsfähige Wertschöpfungsketten im Agrar- und Ernährungsbereich. Mit Projekten an der Schnittstelle von Landwirtschaft, Digitalisierung und Gesellschaft fördert der Verein neue Formen der Zusammenarbeit, eine nachvollziehbare Preisbildung und die sichtbare Abgeltung landwirtschaftlicher Leistungen.

Vorteile für Landwirte und Landwirtinnen
Faire Abgeltung sichtbar machen
Eigene Leistungen für Tierwohl, Biodiversität, Klima und soziale Standards werden direkt im Verkaufspreis transparent und honoriert.
Direkter finanzieller Mehrwert
Konsument:innen sehen den „richtigen Preis“ – das erhöht die Zahlungsbereitschaft für nachhaltig produzierte Produkte.
Mehr Verständnis bei Konsument:innen
Produktionsbedingungen und Aufwände werden nachvollziehbar erklärt – das stärkt Vertrauen und Wertschätzung.
Argumente für Politik und Gesellschaft
Reale Daten zum Zahlungsverhalten liefern eine fundierte Grundlage für agrarpolitische Diskussionen.
Mitgestaltung statt Vorgaben
Landwirt:innen sind Teil eines Projekts, das Daten, Preise und Nachhaltigkeitsleistungen gemeinsam weiterentwickelt.
Meta-Projekt und Feedback
Aus der breiten Zusammenarbeit mit den verschiedenen Projektpartnern – und damit “nicht noch ein weiteres Tool für das Gleiche” entwickelt wird – ist die Idee für ein übergeordnetes Meta-Projekt entstanden, zu welchem hier eine Übersicht angeschaut werden kann.
Das Meta-Projekt ist erst am Entstehen und Feedback dazu ist sehr willkommen. Geht das in die richtige Richtung und falls ja, wer sollte da noch hinzugefügt werden?

