Mit dem Neubau des Rinderschlachthofs in Oensingen investiert die Bell Schweiz in eine hochintegrierte Produktionsinfrastruktur. Seit 2025 ist der Schlachthof schrittweise in Betrieb und setzt neue Massstäbe bei Tierwohl, Hygiene und Effizienz. Ergänzt wird der Standort durch weitere Anlagen wie Logistik-, Tiefkühl- und Slicer Center.
Begriff und Ausgangslage
Der Standort Oensingen wurde in den vergangenen Jahren umfassend erneuert und zu einem integrierten Produktions-, Logistik- und Verarbeitungszentrum ausgebaut. Herzstück ist der neue Rinderschlachthof, der in der zweiten Jahreshälfte 2025 schrittweise in Betrieb genommen wurde und den bestehenden Betrieb ersetzt.
Er verbindet moderne, teilautomatisierte Schlachtprozesse mit digitaler Identifikation und energieeffizienten Gebäudekonzepten. Weiter, werden ab 2026 das Logistik- und das Slicer Center schrittweise hochgefahren und in den Gesamtbetrieb integriert. Bereits seit 2024 ist das neue Tiefkühl-Center am Netz.
Ziel ist es, Produktionsabläufe zu erneuern, die Kapazität zu erhöhen und gleichzeitig Fortschritte bei Tierwohl, Hygiene, Ergonomie, Energieeffizienz und Produktivität entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erzielen. Schon heute beschäftigt der Standort Oensingen rund 650 Personen. Mit dem vollständigen Hochfahren aller Werke soll diese Zahl langfristig auf etwa 1000 ansteigen.
Automatisierung entlang der Schlacht- und Verarbeitungskette
Die Schlachtprozesse sind auf einen gleichmässigen, standardisierten Ablauf ausgelegt. Nach der Betäubung werden die Tiere automatisiert an Transportketten aufgehängt, entblutet und gewogen. Die Weiterverarbeitung erfolgt entlang einer rund 130 Meter langen Schlachtlinie, die auf kontinuierlichen Materialfluss, parallele Prozessschritte und ergonomisch optimierte Arbeitsabläufe ausgelegt ist.
Der Einsatz von Robotik ist gezielt vorgesehen, insbesondere bei ergonomisch belastenden oder repetitiven Tätigkeiten. Dabei steht nicht die Vollautomatisierung, sondern die Entlastung der Mitarbeitenden und die Erhöhung der Prozesssicherheit im Vordergrund.
Tierwohl, Prozessdesign und digitale Rückverfolgbarkeit
Das Prozessdesign orientiert sich an verhaltensbiologischen Erkenntnissen. Keilförmige Gänge, leichte Kurven und Steigungen, angepasste Beleuchtung, ein rutschfester Boden sowie eine reduzierte Geräuschkulisse tragen dazu bei, dass sich die Tiere ruhig und gleichmässig durch den Schlachthof bewegen. Stressarme Abläufe dienen dem Tierwohl und wirken sich direkt auf die Stabilität der Prozesse und die Effizienz aus.
Am Ende der Schlachtlinie werden die Rinderhälften mittels RFID eindeutig identifiziert. Die digitale Kennzeichnung ermöglicht eine lückenlose Rückverfolgbarkeit sowie eine präzise Steuerung der weiteren Verarbeitungsschritte. Die Lagerung erfolgt über mehrere Temperaturzonen und ist auf eine schonende Abkühlung ausgelegt.

Integrierte Infrastruktur und automatisierter Gesamtstandort
Die im Schlachthof umgesetzten prozessualen und digitalen Elemente sind Teil eines umfassenderen Standortkonzepts, das Automatisierung nicht isoliert, sondern systemisch versteht.
Der Standort entspricht dem Minergie-Standard und ist in einen Wärmeverbund eingebunden. Abwärme wird genutzt, Abwässer zentral aufbereitet und Regen- sowie Kühlwasser für Reinigungsprozesse eingesetzt. Die Automatisierung ist damit nicht nur prozessual, sondern auch baulich und energetisch integriert.
Der Schlachthof ist funktional mit weiteren Betrieben am Standort verbunden, darunter Tiefkühl-Center, Slicer Center und Logistik-Center. Diese enge Verzahnung von Logistik und Kommissionierung ermöglicht kurze Bestell- und Lieferzyklen bis auf Filialebene. was der Vermeidung von Lebensmittelverlusten (Food Waste) dient. Die Automatisierung wirkt somit entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Schlachten bis zur Distribution.
Implikationen für Digitalisierung und Praxis
Das Beispiel Oensingen zeigt, dass Automatisierung im Agrar- und Ernährungssektor besonders dann wirksam ist, wenn sie als unterstützendes System verstanden wird. Tierwohl, Mitarbeitendenschutz, Prozessstabilität und Effizienz werden gemeinsam adressiert und nicht gegeneinander ausgespielt.
Weitere Einblicke zur Automatisierung, Prozessgestaltung und Tierwohlintegration bieten der Geschäftsbericht der Bell Schweiz sowie Fachbeiträge aus Forschung und Praxis zur digitalen Lebensmittelverarbeitung.

Über den Absender
Der folgende Beitrag wurde auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen der Bell Schweiz erstellt und redaktionell eingeordnet. Die Bell Schweiz mit Sitz in Basel ist eine der führenden Fleisch- und Convenience-Verarbeiterinnen Europas. Sie produziert Fleisch, Geflügel, Charcuterie und Frischeprodukte für Retail und Food Service und gehört mit 66,67 % der Aktien mehrheitlich zur Coop-Gruppe.

Nutzen für Praxis und Landwirtschaft
Tierwohl im Zentrum durch stressarme Tierführung, verhaltensbiologisch fundiertes Prozessdesign und ruhige, gleichmässige Abläufe
Ergonomische Entlastung der Mitarbeitenden durch gezielten Einsatz von Automatisierung bei körperlich belastenden Tätigkeiten
Stabile und reproduzierbare Prozesse mit hoher Prozesssicherheit und gleichbleibender Qualität
Digitale Rückverfolgbarkeit durch RFID als Grundlage für Transparenz und Vertrauen entlang der Wertschöpfungskette
Schaffung von Arbeitsplätzen trotz Automatisierung, aktuell rund 650 Beschäftigte, langfristig Ausbau auf etwa 1 000 Personen
→ Das Beispiel zeigt, wie Digitalisierung Tierwohl, Effizienz und attraktive Arbeitsbedingungen verbinden kann.
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