Welche Systeme gibt es im Schweizer Agrar- und Ernährungssektor? Welche Daten enthalten sie? Wer betreibt sie – und wie hängen sie miteinander zusammen? Die Systemlandkarte von DigiAgriFoodCH macht diese komplexe digitale Landschaft sichtbar und schafft damit eine Grundlage für mehr Transparenz, Interoperabilität und eine gezielte Weiterentwicklung der Datenlandschaft.

Wer Daten besser nutzen und zwischen verschiedenen Akteuren austauschen möchte, muss zunächst wissen, wo sie vorhanden sind. Im Schweizer Agrar- und Ernährungssektor ist diese Frage alles andere als trivial: Zahlreiche Systeme von Bund, Kantonen und weiteren Organisationen erfassen, verarbeiten und übermitteln Daten.

Die DigiAgriFoodCH Systemlandkarte schafft einen Überblick über diese Landschaft. Sie zeigt, welche digitalen Systeme und Datenbestände vorhanden sind, welche Organisationen dahinterstehen und welche Beziehungen zwischen ihnen bestehen.

Von einzelnen Systemen zum Gesamtbild

Ausgangspunkt für die Entwicklung der Systemlandkarte war eine einfache, aber zentrale Fragestellung: Wie lässt sich die bestehende Daten- und Systemlandschaft so darstellen, dass Zusammenhänge sichtbar werden?

Dazu werden insbesondere drei Ebenen miteinander verknüpft:

  • Systeme: Welche IT-Systeme und Anwendungen bestehen?
  • Daten: Welche Datenbestände beziehungsweise Datensammlungen enthalten oder verwenden diese Systeme?
  • Organisationen: Welche Akteure betreiben oder entwickeln die entsprechenden Systeme?

So entsteht schrittweise ein Gesamtbild der digitalen Infrastruktur im Agrar- und Ernährungssektor.

Die Systemlandkarte wird laufend ergänzt. Unter anderem wurden die an Agate angebundenen Systeme aufgenommen und ausgewählte Anwendungen wie digiFLUX, Acontrol und AGIS detaillierter beschrieben. Auch Systeme und Daten aus dem Bereich Tiergesundheit wurden ergänzt.

150 Systeme und 121 Datensammlungen miteinander verknüpft

Die Systemlandkarte umfasst mittlerweile (Stand: August 2026):

  • 150 Systeme
  • 121 Datensammlungen
  • 225 Organisationen
  • insgesamt 658 beschriebene Entitäten

Entscheidend ist dabei nicht allein die Anzahl der erfassten Elemente, sondern ihre Verknüpfung. Dadurch lässt sich beispielsweise nachvollziehen, welche Organisationen mit welchen Systemen verbunden sind oder in welchen Systemen bestimmte Daten vorkommen.

Die Daten hinter der Karte sind wiederverwendbar

Die grafische Darstellung ist nur eine mögliche Sicht auf die vorhandenen Informationen. Die Daten der Systemlandkarte werden als verknüpfte Daten strukturiert und über die Linked-Data-Plattform LINDAS bereitgestellt.

Das ermöglicht, dieselbe Datengrundlage für unterschiedliche Fragestellungen und Darstellungen zu verwenden. Neben der eigentlichen Netzwerkansicht gibt es beispielsweise bereits eine katalogartige Darstellung der erfassten Datensammlungen.

Damit wird aus einer Karte eine wiederverwendbare Informationsgrundlage: Je nach Fragestellung können andere Ausschnitte der System- und Datenlandschaft betrachtet oder ausgewertet werden.

Wozu braucht es eine Systemlandkarte?

Ein besseres Verständnis der bestehenden Landschaft ist eine wichtige Voraussetzung, um die Digitalisierung gezielt weiterzuentwickeln.

Die Systemlandkarte kann beispielsweise dabei helfen,

  • bestehende Datenbestände und Systeme schneller aufzufinden,
  • Datenflüsse und Abhängigkeiten besser zu verstehen,
  • Doppelspurigkeiten sichtbar zu machen,
  • die Interoperabilität zwischen Systemen zu verbessern,
  • bestehende Daten für neue Anwendungsfälle wiederzuverwenden und
  • die Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur auf einer gemeinsamen Informationsgrundlage zu planen.

Damit unterstützt sie ein zentrales Ziel von DigiAgriFoodCH: Daten sollen einfacher auffindbar, verständlich und über Systemgrenzen hinweg nutzbar werden.

Der Fokus wird weiter geschärft

Eine Systemlandkarte ist nie vollständig abgeschlossen. Systeme verändern sich, neue Datenbestände kommen hinzu und bestehende Anwendungen werden weiterentwickelt oder ersetzt.

In der nächsten Entwicklungsphase soll deshalb insbesondere die System- und Datenlandschaft des Bundesamts für Landwirtschaft vertieft werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Systemen, die im Rahmen der Erneuerung der BLW-Anwendungslandschaft weiterentwickelt werden.

Gleichzeitig stellt sich eine grundlegende Frage, die für die weitere Entwicklung entscheidend ist: Welche Informationen benötigen unterschiedliche Nutzerinnen und Nutzer von einer solchen Systemlandkarte?

Denn eine Datenarchitektin benötigt möglicherweise eine andere Sicht als ein Projektverantwortlicher oder eine Organisation, die herausfinden möchte, wo bestimmte Daten bereits vorhanden sind.

Die Systemlandkarte schafft dafür eine gemeinsame Grundlage – und entwickelt sich mit den Anforderungen weiter.

Die DigiAgriFoodCH Systemlandkarte entdecken: DigiAgriFoodCH System Map

Ihre Ergänzungen sind gefragt

Die Systemlandkarte bildet den aktuellen Wissensstand ab und wird laufend weiterentwickelt. Sie ist bewusst nicht als abschliessendes Verzeichnis gedacht.

Fehlt ein System, ein Datenbestand oder eine Verknüpfung? Oder ist eine Information nicht mehr aktuell? Teilen Sie uns Ihre Hinweise mit und helfen Sie mit, die Systemlandkarte weiter zu verbessern.

Über den Autor

Damian Oswald arbeitet beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Er beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung der Daten- und Systemlandschaft im Agrar- und Ernährungssektor und mit der Frage, wie Daten besser auffindbar, verknüpfbar und wiederverwendbar werden.

Für die Landwirtschaft

  • Überblick schaffen: Die Systemlandkarte macht sichtbar, welche Systeme, Datenbestände und Organisationen im Agrar- und Ernährungssektor miteinander verbunden sind.
  • Zusammenhänge verstehen: Datenflüsse, beteiligte Akteure und Abhängigkeiten werden besser nachvollziehbar.
  • Linked Data nutzen: Die zugrunde liegenden Informationen sind strukturiert verknüpft und können für unterschiedliche Abfragen, Darstellungen und Anwendungen wiederverwendet werden.
  • Zusammenarbeit erleichtern: Organisationen erhalten eine gemeinsame Grundlage, um über Daten, Schnittstellen und Standards zu sprechen.
  • Weiterentwicklung unterstützen: Die Systemlandkarte kann helfen, bestehende Daten besser zu nutzen und neue digitale Lösungen auf vorhandenen Strukturen aufzubauen.

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